> Panorama > Partnerschaft > Familie gründen: Über den richtigen Partner & den besten Zeitpunkt?

Partnerschaft

Soll ich – soll ich nicht? Über die Entscheidungsfindung zur Familiengründung

Familienplanung ist eine verzwickte Sache. Wann soll man denn am besten Kinder bekommen? Was, wenn man nicht bereit ist für die Verantwortung – und was, wenn die Partnerschaft gar daran zerbricht? Diese und ähnliche Fragen stellen sich im Vorfeld. Wie gut, dass es darauf einige ganz hilfreiche Antworten gibt.

Familienplanung überlegen © iStock

Zum traditionellen Familienbild der meisten Österreicher gehören der Herzensmensch und wenigstens zwei Kinder. Meistens wird eine Ehe vorausgesetzt, auch wenn mittlerweile vor allem die Jüngeren der Ehe als Institution kritischer gegenüberstehen. Nur gut zehn Prozent stellen sich eine Zukunft ohne Kinder vor und schließen für sich die Gründung einer eigenen Familie aus. Die anderen 90 Prozent im geeigneten Alter kämpfen mehr oder weniger stark mit der quälenden Frage, wann der optimale Zeitpunkt gekommen ist, mit der Familienplanung zu starten. Nur wenige arrangieren sich im Laufe der Zeit mit einer unfreiwilligen Kinderlosigkeit, teils weil der passende Partner nicht vorhanden ist, teils weil die biologische Uhr abgelaufen ist.

Der einzig legitime Grund, ein Kind zu bekommen, ist die Freude am eigenen Leben. (Theodor Adorno)

In manchen Partnerschaften stellen sich die Kinder unvorbereitet ein, in anderen werden sie sehnsüchtig und teils auch jahrelang erwartet. Erstere haben es im gewissen Sinne „leichter“, denn ihnen bleiben die Zweifel und Bedenken im Vorfeld erspart:

  • Reichen die finanziellen Ressourcen, um Kinder großzuziehen?
  • Ist die Beziehung stabil genug, um diese Herausforderung gemeinsam zu meistern?
  • Ist man selbst erwachsen genug, um die Verantwortung für ein neues Menschenleben zu tragen?
  • Gibt es Unterstützung und Entlastung im Familien- und Bekanntenkreis?
  • Wie wird es mit der eigenen beruflichen Karriere weitergehen, wenn die Kinder erst einmal da sind?

Diese Fragen können die Freude auf eine gemeinsame Familie mit dem oder der Liebsten etwas schmälern. Die größte Frage zum Kinderkriegen überhaupt ist aber: Wann ist der optimale Zeitpunkt dafür?

Die Antwort darauf ist so wenig hilfreich wie wahr, denn sie lautet: eigentlich immer. In Ausbildung und Studium hat man zwar meist kaum finanzielle Reserven, ist aber noch jung, stressresistenter und die elterlichen Instinkte sind voll intakt. Später sind meist Rücklagen da, man hat sich ausgetobt und Lebenserfahrung gesammelt – aber die Nerven wurden im Laufe er Zeit dünner, man ist weniger belastbar und viel eher auf Hilfe von außen angewiesen, um der quirligen Nachkommenschaft gerecht zu werden. Schwangerschaften sind oft einfacher, wenn frau jünger ist, aber die emotionale Seite der Schwangerschaft ist mit gestiegenem Alter oft besser zu bewältigen. So zieht es sich durch alle Lebensbereiche und Situationen, in denen man besser (keine) Kinder bekäme. Im familiären Umfeld wird es fast immer jemanden geben, der den gewählten Zeitpunkt ungünstig findet.

Dabei ist für die Familienplanung doch nur relevant: Fühle ich mich bereit für ein Familienleben?

Wer über diese komplexe Frage hinaus Sicherheit benötigt, der findet hier noch einige weitere Fragen und Möglichkeiten, sich auf das Kinderkriegen optimal vorzubereiten.

Reicht das Einkommen bei Kinderwunsch?

  • Wer zahlt wie viel in die Familienkasse ein?
  • Welche Ausgaben (2. Auto, teure Reisen oder aufwändige Hobbys) könnten gestrichen werden?
  • Welche Ausgaben kommen neu dazu?
  • Welche staatlichen Unterstützungen sind möglich, um Karenz und Kinderbetreuung zu bewältigen?

Wenn die Familienplanung im Raum steht und das Einkommen entsprechend hoch ist, lässt sich auch im Vorfeld einiges beiseite packen. Aber auch Familien mit kleineren Einkommen bewältigen es in der Regel gut, dass mit den Kindern stetig höhere Ausgaben ins Haus stehen. Grob geschätzt fließt ungefähr jeder fünfte verdiente Euro ins Kind. Bis zu seinem 18. Geburtstag wird ein Kind seine Eltern mehr als 100.000.- € gekostet haben – inklusive höherem Wohnraumbedarf, Energie- und Nahrungsmittelmehrkosten, Schulgeld, Medizin, Klassenfahrten, Kleidung und Co.

So erschreckend die Zahlen auf den ersten Blick auch wirken: Im Familienalltag selbst steigen die Kosten schleichend, parallel dazu verschwinden bisherige Ausgabenposten von der Bildfläche. Denn während man einerseits als Familie zusammenwächst und sich mit der Elternrolle arrangiert, werden andere Posten – beispielsweise Hobbys, Essengehen oder ausgedehnte Reisen erst einmal zurückgefahren. Die meisten Eltern sind generell bereit, zugunsten ihrer Kinder zurückzustecken und das Familieneinkommen auf die Kinder umzuorientieren.

Familiengründung: Hält die Partnerschaft das aus?

Sich für eine Familie zu entscheiden, ist ein großer Schritt – auch in der Partnerschaft. Auch wenn es unromantisch klingt, sollten sich Paare bewusst vorher zusammensetzen und einige Themen besprechen:

  • Wie wird die Care-Arbeit rund um die Kinder aufgeteilt?
  • Wer ist in der Familie für was zuständig – und für wie lange?
  • Wie lässt sich Zeit für die Paarbeziehung finden, wenn die Kinder erst einmal da sind?
  • Sehe ich meine Partnerin/meinen Partner als künftige Mutter oder Vater meiner Kinder?
  • Vertreten wir die gleichen oder zumindest sehr ähnlichen Werte, wenn es um die Kindererziehung geht?

Im „Generations and Gender Survey“ zeigt sich, dass sich insbesondere Frauen gut mit einer Aufgabenteilung arrangieren können, in der sie die Hauptlast für die Kinderbetreuung und den Haushalt tragen. Wer das für sich anders handhaben möchte, sollte das besser vor dem ersten Kind – und nachfolgend auch immer mal wieder – ansprechen. Besonders die ersten Jahre als junge Familie sind stressig, nervenaufreibend und unausgesprochene Erwartungshaltungen wie „Er müsste sich doch aber auch mal mehr kümmern“ oder „Sie geht doch nicht arbeiten, warum ist sie so kaputt“ sorgen für zusätzliche Spannungen.

Familiengründung kann Beziehung belasten Familiengründung kann Beziehung belasten  –   © iStock

Wichtig: In den ersten ein bis zwei Jahren nach der Geburt eines Kindes zerbrechen viele Beziehungen. Zu stressig, zu herausfordernd ist der Alltag als Familie und zu sehr unterscheidet sich das Leben mit Kind von dem, was man gewohnt war. Langfristige, glückliche Beziehungen überwinden diese fordernden ersten Jahre oft mit dem Wissen, dass sich die schwierigen Zeiten auf wenige, kurze Jahre beschränken.

Familienplanung: Was ist mit Karriere & Job?

Zu lange aus dem Beruf heraus zu sein, kann die eigene Karriere nachhaltig beeinflussen. Und das nicht unbedingt zum Guten! Direkt nach der Geburt wieder zu arbeiten kommt allerdings für viele Mütter und mittlerweile auch für viele Väter nicht in Frage. Wie bekommt man das am besten mit dem Wunsch nach einer gemeinsamen Familie unter einen Hut?

Es gibt mittlerweile einige Ansätze, beispielsweise

  • gemeinsame Auszeit in den ersten Monaten direkt nach der Geburt und (vollzeitnahe) Teilzeit danach,
  • Auszeit für die Mutter von ein bis zwei Jahren und anschließender Einstieg in Teilzeit, während der Vater Vollzeit weiterarbeitet – mit zusätzlicher Absicherung für die Partnerin für Rente und fehlendes Einkommen,
  • kurze Auszeit für einen oder beide Elternteile und anschließende Vollzeit, mit flexibler Arbeitszeitgestaltung.

Ausgerechnet eine Scheidungsanwältin rät jungen Paaren dazu, vor der Familiengründung die Kassa zu machen, also über Geld, Einkünfte und die spätere Arbeitsteilung zu sprechen. Nicht, um im Scheidungsfall möglichst viel Unterhalt vom besserverdienenden Partner zu erhalten. Sondern ganz im Gegenteil, um noch vor der ersten Schwangerschaft gemeinsam und am besten schriftlich zu fixieren, wer wann und warum im Job pausiert oder vielleicht auch ganz aussteigt, um die gemeinsamen Kinder zu versorgen.

Was, wenn der richtige Partner, die richtige Partnerin auf sich warten lässt?

Manchmal ist der Wunsch zum Kinderkriegen da – aber der dafür nötige Partner bzw. die Partnerin nicht. Die biologische Uhr tickt dabei sowohl für Frauen als auch für Männer, denn die Kinderlosigkeit jenseits der 40ger ist meist unfreiwillig:

  1. Spontane Schwangerschaften werden insgesamt seltener
  2. Komplikationen treten mit höherem Alter der Eltern vermehrt auf

Oft haben sich potenzielle Partner längst mit der Kinderlosigkeit arrangiert und mögen sich spontan nicht mehr dem stressigen Eltern-Job zuwenden. So bleibt der späteren Liebe nur, sich entweder nochmals neu zu orientieren und zu hoffen, dass der nächste Traummann oder die nächste Traumfrau doch noch willig ist, eine Familie zu gründen – oder die Familienplanung aufzugeben.

Wenn sich gar kein Partner und keine Partnerin einstellen mögen, gibt es mittlerweile noch andere Optionen:

  • bunte Familienkonstellationen mit biologischen Eltern, die keine Beziehung auf Paarebene eingehen
  • Samen-/Eizellenspenden
  • Adoption

Dabei weicht die eingangs definierte „Familie“ allerdings auf, denn dann gibt es nicht zwangsläufig Mutter, Vater und zwei Kinder. Sondern vielleicht nur Mutter oder Vater mit Kind, oder zwei Väter/Mütter, oder eine bunte Konstellation aus mehreren Erwachsenen, die sich für die Sorge um ihre Kinder zusammenfinden und gemeinsam eine größere Familie bilden.

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