> Panorama > Partnerschaft > Respekt in der Partnerschaft: Wie man achtsam miteinander umgeht

Partnerschaft

Warum Respekt in der Partnerschaft so wichtig ist

„Liebe ist nicht genug.“ So lautet die Aussage verschiedener Paarpsychologen, wenn es um die ideale Basis für eine langfristige Beziehung geht. Es braucht mehr, nämlich: Vertrauen, Nähe – und Respekt. Gerade am Respekt mangelt es aber, wenn Paare schon lange zusammen sind oder die Machtbasis in einer Beziehung sehr unterschiedlich ausfällt.

Respekt in der Partnerschaft © Gettyimages

Sie sind so typisch für langjährige Beziehungen, Sätze wie: „Musst du immer krümeln beim Essen?“, „Jetzt sei doch mal ruhig und lass mich weiter erzählen!“, „Was du dich wieder aufregst, hab dich halt nicht so!“ oder auch „Ja, ja, passt schon!“

Sie sind leicht dahin gesagt, wiegen in der Summe aber schwer. Denn sie zeigen, wie sich schleichend der Respekt aus einer Beziehung verabschiedet. Anders als Liebe, die einem als Hormoncocktail quasi in den Schoß fällt, muss Respekt erst erarbeitet und verdient, später auch gepflegt werden.

Will man Respekt definieren, dann wird oft von Achtung, Wertschätzung und Aufmerksamkeit gesprochen:

Respekt (lateinisch respectus „Zurückschauen, Rücksicht, Berücksichtigung“) bezeichnet eine Form der Wertschätzung, Aufmerksamkeit und Ehrerbietung gegenüber einem anderen Lebewesen (Respektsperson) oder einer Institution. (Quelle: Wikipedia)

Respekt ist etwas, das über reine Höflichkeit gegenüber Fremden oder der Freundlichkeit gegenüber Bekannten deutlich hinausgeht: Der Partner oder die Partnerin wird gesehen, so wie sie oder er ist, wahrgenommen, geachtet und geschätzt.

Paarpsychologen sehen darin einen der Grundsteine für dauerhafte, langfristige Beziehungen, neben Vertrauen und einer gemeinsamen Wertebasis. Aber jeder einzelne dieser Grundsteine kann bröckeln – und dann gerät das Fundament der Beziehung in eine Schieflage. Bei mangelndem Respekt wird es besonders schnell und nachhaltig deutlich.

Neun sichere Anzeichen für Achtsamkeit und Respekt in der Beziehung

Nun hat jeder manchmal bessere und manchmal schlechtere Momente, ist mal weniger aufmerksam und mal zu gestresst, um seinem Liebsten oder der Liebsten empathisch zu begegnen. Grundsätzlich zeigen aber diese neun Punkte, dass Intimität und Gefühle in der Beziehung Vorrang haben:

  1. Zuhören – Antworten – Ausredenlassen sind keine bloßen Floskeln, sondern fester Bestandteil der Paarkommunikation
  2. Unterschiedliche Sichtweisen werden akzeptiert, so wie sie sind
  3. Zuverlässigkeit und Verlässlichkeit spielen eine große Rolle
  4. Auch schmerzhafte Wahrheiten werden ausgesprochen, Lügen haben hier keinen Platz
  5. Rückmeldungen und Meinungen des Partners zu wichtigen Punkten im Job oder in der Familie werden ganz offen erbeten – und auch gegeben
  6. Entschuldigungen werden ausgesprochen, gehört – und akzeptiert
  7. Der Partner/die Partnerin wird nicht als selbstverständlich angesehen – sondern als jemand, für den man sich auch nach 10, 20 oder 30 Jahren ins Zeug legen würde
  8. Eifersucht spielt keine oder kaum eine Rolle, denn man vertraut sich
  9. Mitgefühl für die Ängste und Nöte des Partners wird gelebt, seine Befürchtungen werden nicht einfach beiseite gewischt

Diese neun Punkte spiegeln einen achtsamen, aufmerksamen Umgang miteinander wider. Wer Kinder hat, prägt unter anderem auch damit die künftigen Beziehungsmuster der eigenen Kinder. Denn Kinder lernen vor allem über Beobachtung und Nachahmung. Zeigen die Eltern offen ehrliche Wertschätzung füreinander und auch im Umgang mit den Kindern, wird dieses respektvolle Miteinander aufgenommen und weiter in die Welt getragen.

Kommunikation in Paarbeziehungen – unverzichtbar!

Paar-Kommunikation ist wichtig © iStock

Die dauerhaft glücklichen Beziehungen sind diejenigen, in denen besonders viel kommuniziert wird. Und damit sind keine Gespräche über das Wetter, den Besuch der Schwiegereltern oder die Noten der Kinder gemeint. Sondern tiefergreifende Gespräche über das, was die Partner bewegt, interessiert und die ihnen wichtig sind. Das können natürlich auch die Schulnoten oder die Wetterentwicklung sein. Meist sind die Themen aber versteckter:

  • Bemerkt der Partner meine Bemühungen in der Familie, in der Partnerschaft, auf der Arbeit?
  • Werde ich als Person geschätzt und geliebt?
  • Kann ich mich auf meinen Partner/meine Partnerin verlassen, auch wenn wir uns uneins sind?
  • Verfolgen wir weiterhin die gleichen Ziele im Leben?
  • Was wünscht sich mein Partner/meine Partnerin vom Leben – und von unserer Partnerschaft?

Die Antworten auf diese und ähnliche Fragen bieten dann erst den Raum, um die Beziehung immer wieder neu zu denken. Wer aber konsequent die Kommunikationswünsche des Partners abwiegelt, der handelt respektlos. Das greift schnell um sich, und es beschädigt die Beziehung dauerhaft. Das „Nicht-gesehen-“ oder „Nicht-gehört-werden“ kommt dabei besonders häufig vor:

 Da sitzt ein langjähriges Paar beim Essen, sie erzählt von einem Besuch bei Freunden und einer weiteren Verabredung, die auch für den Partner schön wäre. Er liest eigentlich nur die Zeitung und antwortet mit einem abwesenden „Hmmm, jaja, sicher!“

Gegenüber keinem Geschäftspartner, gegenüber keinem guten Freund würde man sich so verhalten – unter Paaren schleicht sich das Nicht-Zuhören und auch das Nicht-Ansehen dagegen schnell ein. Wesentlich wertschätzender wäre in so einer Situation, entweder

1. Die Zeitung beiseite zu legen, aktiv zuzuhören und konkret die eigentliche Frage hinter der Erzählung zu beantworten, beispielsweise mit einem „Das können wir gerne zusammen machen!“

oder

2. Kurz um eine Unterbrechung des Gesprächs zu bitten, um diesen Absatz oder den Artikel in der Zeitung gerade noch fertig lesen zu können – damit man dann ganz und gar für die Unterhaltung offen ist.
 

Regeln für einen respektvollen Umgang miteinander

Zu den gängigen, eigentlich selbstverständlichen Kommunikationsregeln gehören außerdem

  • den Liebsten/die Liebste ausreden zu lassen – statt zu unterbrechen
  • Augenkontakt bei Gesprächen zu halten – statt weiter auf den Fernseher zu achten
  • eigene Tätigkeiten wie lesen, fernsehen etc. kurz zu unterbrechen, wenn der Partner oder die Partnerin ein Anliegen hat – statt einfach weiter zu machen
  • bei Unklarheiten nachzufragen, was gemeint war – statt zu schmollen und Böswilligkeiten zu unterstellen
  • in Streitereien sachlich zu bleiben - statt mit Beschimpfungen und Beleidigungen um sich zu werfen

Hapert es an diesen Grundlagen, ist der Weg zu weiteren Respektlosigkeiten gar nicht mehr weit. Dann werden gemeinsame Termine verschlampt, in Erzählungen gegenüber Freunden ist der ehemals geschätzte Partner plötzlich faul, nervig oder schlampig. Das mindert beim Erzählenden die Wertschätzung des Partners. Und beim Gegenpart wird das Selbstwertgefühl beschädigt.

Ehen können an scheinbaren Kleinigkeiten zerbrechen, wie liegen gelassenen Kleidungsstücken und verpassten Vereinbarungen. Tatsächlich ist es aber die Respektlosigkeit, mit der die Wünsche und Vorstellungen des Partners oder der Partnerin unbeachtet bleiben.

Selbsttest: Wie respektvoll ist die Beziehung wirklich?

Für den Selbsttest haben sich einige Fragen bewährt, um sich den aktuellen Stand in der Beziehung anzuschauen:

  • Was passiert, wenn wir streiten?
  • Wie viel Aufmerksamkeit schenke ich meinem Partner/meiner Partnerin?
  • Wie viel Aufmerksamkeit erhalte ich von meinem Partner/meiner Partnerin?
  • Wann habe ich zuletzt gelobt?
  • Wann wurde ich zuletzt gelobt?
  • Habe ich das Gefühl, von meinem Liebsten/meiner Liebsten wirklich gesehen zu werden?
  • Erhalte ich Rückendeckung gegenüber anderen von meinem Partner/meiner Partnerin?

Dazu gehört auch eine Frage aus der Paarberatung, die so einfach gestellt und oft schwer zu beantworten ist: Was tue ich, damit es besser wird?

Strategien, um achtsam miteinander umzugehen

Nun lässt sich fehlender Respekt leider nicht einfach einfordern, zu tief haben sich respektlose Handlungsweisen oft schon in der Beziehung etabliert. Mit kleinen Schritten kann man als Paar aber durchaus daran arbeiten, wieder achtsam und aufmerksam miteinander umzugehen.

Dafür braucht es zunächst einen klaren Schnitt und die gemeinsame Entscheidung, alte Verletzungen durch respektloses Verhalten hinter sich zu lassen. Individuelle Grenzen sollte man am besten schriftlich festhalten: Manchmal ist dem Partner/der Partnerin gar nicht bewusst, wie verletzend es sein kann, immer und immer wieder unterbrochen zu werden. Ähnlich sieht es damit aus, wenn sich der Partner/die Partnerin nicht um die Wünsche nach mehr Ordnung schert. Diese kleinen Unachtsamkeiten graben sich tief ein und führen langfristig zu größerer Frustration. Deshalb macht es Sinn, solche Dinge einmalig niederzuschreiben und gemeinsam festzulegen, wie man damit umgehen kann.

Lösungsideen sind beispielsweise:

Kurze Zeichen oder Signalwörter ausmachen
Kurzes Antippen, Handheben oder Ähnliches kann hilfreich sein, um zum Beispiel den langatmigen Monolog des Partners an einer bestimmten Stellen zu unterbrechen – ohne unhöflich direkt hineinzupoltern. So lässt sich der Satz oder der Gedankengang noch beenden, bevor er abrupt unterbrochen wird. Das funktioniert im Übrigen auch hervorragend mit Kindern, die am liebsten sofort lossprudeln und nur schwer warten können, wenn sich Erwachsene ausgiebig unterhalten möchten.

Klare Regeln für Zuständigkeiten im Haushalt, bei der Kinderbetreuung oder Ähnlichem treffen
So lassen sich enttäuschende Momente vermeiden, wenn der Liebste oder die Liebste wieder den Geschirrspüler vergessen hat, sich der- oder diejenige dafür aber gar nicht zuständig fühlte.

Bewusst Gesprächszeiten einplanen
Vielleicht ist morgens die Facebook-Timeline spannender als das Gegenüber, vielleicht ist abends schon die ganze Energie verbraucht, um sich beim Abendessen zwischen Kindern und Fernsehen noch zu einem Dialog aufzuraffen. Trotzdem sind solche Momente wichtig, um mit dem Partner auf eine Wellenlänge zu gelangen: Wie war der Tag?, Was ist für morgen geplant?, Woran muss man in der nächsten Zeit denken? Das sind Fragen, die jeden Tag gestellt und beantwortet werden sollten. Ob das nun morgens, abends oder zwischendurch in einer ruhigen Minute passiert, ist vergleichsweise unwichtig.

Lernen, Emotionen in Worte zu fassen
Gerade gestandenen Erwachsenen fällt das erstaunlich schwer: eigene Verletzungen in klare Worte zu fassen. Statt bei einem heftigeren Streit konkret zu sagen, dass das Gesagte verletzend und respektlos ankommt, wird oft grummelnd der Rückzug angetreten. Diese oft schon in der Kindheit erlernten Verhaltensmuster übertragen sich dann auf die Beziehung – und man schluckt die eigenen Tränen hinunter. Wem es anfangs schwerfällt, Emotionen zu benennen, der kann sich zunächst auch gut mit Zetteln behelfen oder kurze Nachrichten per Smartphone schicken. Wichtig ist dabei: Der Gegenpart darf hier nicht relativieren, verneinen oder die Gefühle absprechen. Denn ob sie berechtigt sind oder nicht – Gefühle sind individuell und so, wie sie sind, genau richtig.

Wenn man sich tiefer mit der achtsamen Kommunikation beschäftigen möchte, eignet sich auch die „gewaltfreie Kommunikation“ als vollständige Methodik gut. Grob zusammengefasst benennt man hier sowohl die eigene Beobachtung, als auch die erlebte Emotion – und äußert schließlich einen Wunsch oder fordert zu einer bestimmten Handlung auf.

Ein Beispiel: „Ich habe gesehen, dass du nach dem Kochen alles liegen gelassen hast. Das macht mich wütend, denn ich habe die Küche gerade erst aufgeräumt. Bitte räum beim nächsten Mal die benutzten Töpfe und Gerätschaften direkt weg!“

Klingt allemal besser als ein schnippisches: „Oh, hast du gekocht? Sieht man ...“ und hinterlässt ein wesentlich weniger unangenehmes Gefühl.

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